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Änderung der Abschreibungsregeln ab 2018 17/2017

Was lange währt, wird endlich gut, so oder so ähnlich könnte man den Prozess der Änderung der Abschreibungsregeln für geringwertige Wirtschaftsgüter beschreiben. Im Jahr 1964, man mag es kaum glauben, wurde die Wertgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter das letzte Mal von 600 DM auf 800 DM angehoben. Im Rahmen der Euro-Umstellung wurde der Wert dann anstatt des exakten Umrechnungsbetrages von 409,03 Euro auf 410 Euro festgelegt. Seit dem Jahr 2014 beschäftigt sich die Politik verstärkt mit der Anhebung der Wertgrenze. Nun ist es also so weit.

 

Grundsätzliches

Abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind grundsätzlich linear über den Zeitraum der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abzuschreiben. Eine Ausnahme davon gibt es für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind bewegliche Gegenstände des Anlagevermö­gens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind. Daher liegt kein GWG vor, wenn das Wirt­schaftsgut nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgü­tern genutzt werden kann. Ergo ist ein Drucker für einen PC kein GWG, da er nicht selbständig nutz­bar ist, sondern für den Betrieb einen PC benötigt. Ist dieser Drucker jedoch ein Kombigerät, der auch einen Kopierer bein­haltet und dadurch eine PC-unabhängige Kopierfunktion hat, so kann dieses Kombigerät als GWG angesetzt werden.

Die bisherige Grenze für die Sofortabschreibung eines GWG lag bei 410 Euro. Dabei sind immer die Nettoanschaffungskosten ausschlaggebend. Der umsatzsteuerliche Status des Unternehmers ist dabei irrelevant, d.h. auch wenn kein Vorsteuerabzug besteht, ist von Nettoanschaffungskosten auszugehen. Des Weiteren müssen auch Preisminderungen oder Rücklagen für Ersatzbeschaffungen und Investitionsabzugsbeträge abgezogen werden.

 

Sofortabschreibung ab dem Jahr 2018

Im Rahmen des „Gesetzes gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen“ (die Gesetzesüberschriften sind immer wieder erstaunlich), hat der Gesetzgeber die Wertgrenze für GWG von 410 Euro auf 800 Euro angehoben. Somit können abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 800 Euro netto, die ab dem 01.01.2018 angeschafft, hergestellt oder in das Betriebsvermögen eingelegt werden, sofort abgeschrieben werden.

Weiterhin wurde die besondere Aufzeichnungspflicht für GWG durch das zweite Bürokratieentlastungsgesetz geändert. Nach bisheriger Rechtslage müssen GWG, die den Wert von 150 Euro übersteigen in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufgenommen werden. Dieses Verzeichnis ist jedoch entbehrlich, soweit die Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind. Diese Wertgrenze wird auf 250 Euro netto erhöht.

 

Poolabschreibung ab dem Jahr 2018

Neben der Möglichkeit der Sofortabschreibung lässt das Gesetz auch die Möglichkeit einer Poolabschreibung zu. Bei der Poolabschreibung wird derzeit ein Sammelposten für diejenigen Wirtschaftsgüter gebildet, die einen Nettowert zwischen 150 Euro und 1.000 Euro haben. Dieser Sammelposten wird über den Zeitraum von fünf Jahren linear abgeschrieben. Dabei muss das Wahlrecht einheitlich für alle in einem Wirtschaftsjahr angeschafften Wirtschaftsgüter ausgeübt werden.

Ab dem 01.01.2018 wird die untere Wertgrenze für die Poolabschreibung auf 250 Euro angehoben. Somit wird ein Sammelposten für die Wirtschaftsgüter gebildet, die einen Nettowert zwischen 250 Euro und 1.000 Euro haben. Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 250 Euro netto können sofort abgeschrieben werden. Im Übrigen haben sich aber die Bedingungen für die Poolabschreibung nicht geändert. Somit liegt die Differenz der oberen Wertgrenze zwischen Poolabschreibung und Sofortabschreibung nur noch bei 200 Euro.

 

Übersicht Abschreibungswahlrechte ab 2018

Wirtschaftsgüter mit einem Nettowert bis zu 250 €

  1. Lineare Abschreibung über Nutzungsdauer
  2. GWG-Sofortabschreibung
  3. Bei Poolabschreibung, sofort abzuschreiben

 

Wirtschaftsgüter mit einem Nettowert zwischen 250 € bis 800 €

  1. Lineare Abschreibung über Nutzungsdauer
  2. GWG-Sofortabschreibung (ggf. Aufzeichnungspflicht)

 

Wirtschaftsgüter mit einem Nettowert zwischen 250 € bis 1.000 €

  1. Lineare Abschreibung über Nutzungsdauer
  2. Poolabschreibung, einheitliche Ausübung

 

Beispiele für Abschreibungsmöglichkeiten

Vorteil lineare Abschreibung:

Im Jahr 2017 wird ein Computer für 900 Euro netto angeschafft. Die Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle beträgt 3 Jahre. Somit ist die lineare Abschreibung der Poolabschreibung vorzuziehen, da bei der linearen Abschreibung jedes Jahr 300 Euro abgeschrieben werden können, bei der Poolabschreibung hingegen nur 180 Euro über 5 Jahre. Eine Sofortabschreibung ist sowohl nach den alten, als auch den neuen Grenzwerten nicht möglich. Somit ergeben sich bei diesem Beispiel ab dem 01.01.2018 keine Änderungen.

 

Vorteil Poolabschreibung, bzw. ab 2018 Sofortabschreibung:

Im Jahr 2017 werden Büromöbel für 800 Euro netto angeschafft. Die Nutzungsdauer beträgt 13 Jahre. Bei der linearen Abschreibung entfallen somit für jedes Jahr lediglich 61 Euro. Bei der Poolabschreibung hingegen 160 Euro, da eine Abschreibung über 5 Jahre möglich ist. Wartet man hingegen mit der Anschaffung auf das Jahr 2018, so können die Büromöbel auch sofort als GWG im Jahr 2018 abgeschrieben werden.

 

Vorteil Sofortabschreibung nach bisheriger Rechtslage:

Im Jahr 2017 wird ein PC für 400 Euro netto angeschafft. Hier ist die GWG-Sofortabschreibung der Poolabschreibung vorzuziehen, da bei der Poolabschreibung nur 80 Euro jährlich aufgelöst werden können.

 

Wie die obigen Beispiele zeigen, kann es durchaus sinnvoll sein, Anschaffungen, die nicht dringend vorzunehmen sind, auf das Jahr 2018 zu verschieben.

 

Maximilian Appelt
  Rechtsanwalt
  Steuerberater

 

Kurzfassung

1. Die Wertgrenze für die GWG-Sofortabschreibung wird ab dem 01.01.2018 von 410 Euro netto auf 800 Euro netto angehoben.

2. Bei der Poolabschreibung liegen die neuen Wertgrenzen ab dem 01.01.2018 zwischen 250 Euro netto und 1.000 Euro netto. Wirtschaftsgüter unter dem Wert von 250 Euro netto können sofort abgeschrieben werden.

3. Gegebenenfalls lohnt es sich, wenn die Neuanschaffungen nicht unbedingt im Jahr 2017 vorzunehmen sind, auf das Jahr 2018 und die neuen Wertgrenzen zu warten.

 

Kommentar:

Eine Anhebung der Grenzwerte für geringwertige Wirtschaftsgüter nach 53 Jahren ist begrüßenswert. Mit der Anhebung der Werte werden aber auch wieder Streitfragen akut. Im speziellen geht es um Standardsoftware, also um Software, die in der breiten Masse eingesetzt wird. Nach Ansicht der Rechtsprechung stellt eine derartige Software ein immaterielles Wirtschaftsgut dar. Im Gegensatz dazu besagen die Einkommensteuerrichtlinien, dass Computerprogramme, die nicht mehr als 410 Euro netto in der Anschaffung kosten, wie Trivialprogramme zu behandeln sind und dementsprechend abnutzbare bewegliche und selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter sind. Also dementsprechend können sie sofort abgeschrieben werden. Nun hat die Bundesregierung angekündigt, dass die neue GWG-Grenze von 800 Euro netto auch für Computerprogramme gelten soll. Somit kann eine Standardsoftware bis zu einem Nettopreis von 800 Euro ab dem Jahr 2018 sofort als GWG abgeschrieben werden.

 

 Andy Kögler
Wirtschaftsprüfer
 Steuerberater 

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