Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner mbB

Der Elektro-Irrsinn 5/2018

Glaubt man den Ankündigungen der Hersteller, ist der Siegeszug der Elektroautos nicht mehr aufzuhalten. Als praktischer Nachteil gilt derzeit jedoch unter anderem noch, dass der Tankvorgang deutlich länger dauert als bei Fahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor. Daher muss man sich als Fahrer eines Elektrofahrzeugs sicherlich auf längere Pausen einstellen. Doch auch aus steuerlichen Gründen muss man sich auf andere Gewohnheiten und Regeln einstellen.

 

Nur grundsätzlich gleiche steuerliche Regeln wie bei herkömmlichen Fahrzeugen

Andere steuerliche Regeln für Elektrofahrzeuge (oder extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge) gelten insbesondere immer dann, wenn diese Fahrzeuge von einem Unternehmer selbst genutzt werden. Zudem gibt es auch Besonderheiten, wenn das Elektro-Fahrzeug und/oder der zur Betankung notwendige Strom den Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt wird. Denn dann muss stets ermittelt werden, ob die Ausgaben als Betriebsausgaben abzuziehen sind, oder ob Unternehmer bzw. Arbeitnehmer einen privaten Vorteil versteuern müssen.

Im Prinzip gelten hierbei zwar die gleichen steuerlichen Grundsätze. Das heißt, für Fahrzeuge im Unternehmensvermögen muss ein privater Nutzungsanteil ermittelt und versteuert werden. Zudem besteht auch hier wie bei „normalen“ Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die Möglichkeit, die Fahrtenbuchmethode oder die 1%-Regel anzuwenden. Im weiteren Verlauf ergeben sich dann allerdings doch Besonderheiten. So wird beispielsweise im Rahmen der 1%-Prozent-Regel für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren stets der Bruttolistenpreis als Bemessungsgrundlage herangezogen. Für Elektrofahrzeuge wird als ertragsteuerlicher Wert allerdings ein modifizierter Wert genommen, indem vom Bruttolistenpreis in Abhängigkeit vom Anschaffungsdatum sowie der Batteriekapazität Abschläge vorgenommen werden. Dieser modifizierte Wert gilt jedoch nach Ansicht der Finanzverwaltung nicht für die Umsatzsteuer. Das heißt, für die Versteuerung der Privatnutzung sind bei der Einkommensteuer sowie der Umsatzsteuer unterschiedliche Werte heranzuziehen!

Ähnliches gilt auch für die Ermittlung der Kosten, welche nach der Fahrtenbuchmethode den Privatfahrten zuzuordnen sind. Für ertragsteuerliche Zwecke dürfen auch hier die Aufwendungen für das Batteriesystem ausgesondert und nur aus den verbleibenden Kosten der private Anteil ermittelt werden. Befindet sich das Elektrofahrzeug im Betriebsvermögen ist dabei eine fiktive Abschreibung auf die Anschaffungskosten abzüglich der nach der 1%-Regel zulässigen Abschläge auf den Bruttolistenpreis heranzuziehen. Für die Umsatzsteuer gilt dieser Wert aber wiederum nicht.

 

Ermittlung der Tankkosten

Doch nicht nur bei der Ermittlung des privaten Nutzungsanteils kann es kompliziert werden. Auch die Ermittlung der Betriebsausgaben an sich kann durchaus anspruchsvoll sein. So gibt es bisher beim Tanken einen Rechnungsbeleg, aus dem Menge und Preis des Kraftstoffs ersichtlich sind.

Beim kostenpflichtigen Auftanken an einer externen Aufladestation mag dies vielleicht auch noch der Fall sein. Anspruchsvoller wird es jedoch dann, wenn die Kosten für die Aufladung zu Hause ermittelt werden müssen. Bei privaten Elektrofahrzeugen stellt sich diese Frage nicht, weil sowieso nur die Entfernungspauschale angesetzt wird. Bei Elektrofahrzeugen im Betriebsvermögen sind jedoch zunächst die zugehörigen Betriebsausgaben aufzuzeichnen und zu verbuchen. Dies gestaltet sich sicherlich über einen separaten Zähler am einfachsten. Gibt es diesen nicht, muss ein anderer Weg zur Bestimmung der Betriebsausgaben gefunden werden. Möglich erscheint beispielsweise eine Schätzung auf Grund des Mehrbedarfs zum Vorjahr. Ob dies aber die Finanzverwaltung akzeptieren oder nicht vielmehr zu ihren Gunsten ein weiter gehendes geändertes Nutzungsverhalten unterstellen würde, erscheint zumindest fraglich. Insofern bleibt dann nur noch die aufwendige Berechnung des Stromverbrauchs an Hand der technischen Daten des Fahrzeugs und der zurückgelegten Kilometerleistung. Die Aufwendungen für die betriebliche Nutzung kann ein Unternehmer dann steuerlich berücksichtigen.

Ein Einzelunternehmer hat zudem insoweit einen (anteiligen) Vorsteuerabzug aus der Stromrechnung für den Strombezug daheim, sofern die Rechnung des Energieversorgers auf ihn lautet. Dies dürfte in der Praxis stets dann problematisch werden, sofern das Elektrofahrzeug im Betriebsvermögen einer Gesellschaft ist. Lässt beispielsweise der Gesellschafter das Elektrofahrzeug zu Hause aufladen, ist in der Regel kein Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Energieversorgers für die betrieblichen Kosten möglich, da es in diesem Fall üblicherweise an einer ordnungsgemäßen Rechnung an die Gesellschaft mangelt.

 

Ladestation auf dem Firmengelände

Will ein Unternehmen nun einem Teil der vorgenannten Probleme entgehen und errichtet auf dem Firmengelände eine Ladestation für die Elektrofahrzeuge des Unternehmens, an der auch Arbeitnehmer und Geschäftskunden unentgeltlich tanken können, so ergeben sich neue Probleme.

So sind zwar die Vorteile für das elektrische Aufladen eines Fahrzeugs, die ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn an einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers bzw. eines verbundenen Unternehmens gewährt, lohnsteuerfrei. Dies gilt jedoch nicht für Kunden und andere Geschäftsfreunde! Hinzu kommt, dass die Abgabe von Ladestrom an sowohl die eigenen Arbeitnehmer als auch Kunden und Geschäftsfreunde der Umsatzsteuer unterliegt. Hierfür sind die entstandenen Ausgaben als Bemessungsgrundlage heranzuziehen. Das heißt, bei Ladestationen auf dem Unternehmensgelände, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden, muss trotzdem erfasst werden, welcher der vorgenannten Gruppen der Nutzer angehört. Darüber hinaus sind auch die jeweils entstehenden Kosten zu ermitteln, um die Umsatzsteuer sachgerecht zu bestimmen und abzuführen. Daran mangelt es jedoch bislang in der Praxis häufig.

 

Fehlendes Gesamtkonzept

Aus den obigen Ausführungen lässt sich leicht erkennen, dass es für die Förderung der Elektromobilität kein durchdachtes (steuerliches) Gesamtkonzept gibt. Denn die steuerlichen Regelungen sind insbesondere für betriebliche Elektrofahrzeuge und Hybridelektrofahrzeuge unübersichtlich und führen in der Praxis teilweise zu einer hohen Herausforderung, diese sachgerecht umzusetzen.

 

Stan Guthmann
 Steuerberater

 

Kurzfassung:

1. Die speziellen steuerlichen Regeln für Elektrofahrzeuge sind alles andere als trivial.

2. Für Ertragsteuern und Umsatzsteuer sind für Elektrofahrzeuge unterschiedliche Werte zu ermitteln und der Besteuerung zu unterwerfen.

3. Für ertragsteuerliche Zwecke gibt es dabei teilweise Erleichterungen, welche allerdings für die Umsatzsteuer nicht gelten.

 

Kommentar:

Die Bundesregierung hat sich die Förderung der Elektromobilität auf die Fahnen geschrieben. Wirklich durchdacht umgesetzt wurde aber wenig. Sollte die Große Koalition zu Stande kommen, soll wiederum die Förderung der Elektromobilität ausgebaut werden. Das Steuerkonzept der GroKo sieht vor, dass für die pauschale Dienstwagenbesteuerung von Elektrofahrzeugen ein reduzierter Satz von 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises gelten soll. Darüber hinaus soll für 5 Jahre eine Sonder-Abschreibung für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge eingeführt werden. Im Jahr der Anschaffung beträgt die Sonder-Abschreibung 50 Prozent.

Eine durchdachte Förderung sieht anders aus. Gesetzgeber und Finanzverwaltung lassen sich stets neue komplizierte Details einfallen. Dabei sollte offensichtlich sein, dass die abschreckende Wirkung umso größer ist, je komplizierter die Handhabung ist.

Nach diesem Maßstab muss man daher zumindest aus steuerlicher Sicht sagen, dass das Ziel der Förderung der Elektromobilität bislang in keinster Weise erreicht wird. Denn: Einfach geht anders.

 

Maximilian Appelt
  Rechtsanwalt
  Steuerberater

 

Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner mbB - München work Elsenheimerstraße 43 80687 München Deutschland work +49 (0) 89 578382-0 fax +49 (0) 89 578382-50 www.raw-partner.de
Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner mbB - Bad Wörishofen work Rudolf-Diesel-Straße 11 86825 Bad Wörishofen Deutschland work +49 (0) 82 479670-0 fax +49 (0) 82 479670-40 www.raw-partner.de
Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner mbB - Berlin work Neue Promenade 3 10178 Berlin Deutschland work +49 (0) 30 56553-0 fax +49 (0) 30 56553-10 www.raw-partner.de
Rath, Anders, Dr. Wanner & Partner mbB - Gera work Siemensstraße 49 07546 Gera Deutschland work +49 (0) 365 43752-0 fax +49 (0) 365 43752-29 www.raw-partner.de 50.907173 12.063239
Atikon work Kornstraße 4 4060 Leonding Österreich work +43 732 611266 0 fax +43 732 611266 20 www.atikon.com 48.260229 14.257369