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Versandhandel in der KFZ-Branche 12/2017

Der Onlinehandel ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und nimmt auch in der Kfz-Branche immer mehr an Bedeutung zu. Doch bei allem Enthusiasmus ist auch stets die steuerliche Sicht zu beachten. Denn auch für den online durchgeführten bzw. angebahnten Handel gelten allgemeine oder sogar spezielle steuerliche Regeln und Risi­ken. Ein erhöhtes Risiko ergibt sich hierbei vor allem, weil im Online-Bereich die tatsächlich vorhandenen Ländergrenzen überwunden oder zu verschwinden scheinen.

 

Versandhandel

Immer mehr Händler betreiben einen Versandhandel z.B. mit Ersatzteilen und Zubehör über diverse Onlineplattformen. So werden zwar auch neue Märkte insbesondere innerhalb der EU erschlossen, die steuerlichen, vor allem umsatzsteuerli­chen Konsequenzen dürfen jedoch nicht vernachlässigt wer­den. So kann es beispielsweise problematisch werden, wenn Logistikleistungen an Dritte, z. B. die externe Online-Handelsplattform, ausgelagert werden. Hier kann es in der Praxis leicht geschehen, dass der Versand von einem vermeintlich kostengünstigeren Lager aus einem anderen EU-Land erfolgt. Dies dürfte regelmäßig eine steuerliche Registrierungspflicht in dem Land auslösen, in welchem der Versand beginnt.

Erfolgt der Versand von Deutschland aus, löst dies aber nicht alle Probleme, denn je nach Art des Kunden ergeben sich unterschiedliche steuerliche Konsequenzen. Wird das Geschäft mit einem Kunden aus dem EU-Ausland abgeschlossen, der eine UStIDNr. hat, dann gibt es in der Regel keine Probleme, da hier eine steu­erfreie innergemeinschaftliche Lieferung möglich ist, wofür lediglich der Buch- und Belegnachweis erbracht werden muss. Deshalb sollte bei Kunden aus dem EU-Ausland immer gefragt wer­den, ob diese eine gültige UStIDNr. besitzen.

 

Privatkunden im EU-Ausland

Weiterhin muss bei den Kunden aufgepasst werden, die keine UStIDNr. haben. Hier kann es schnell passieren, dass sich der Händler in einem oder mehreren ausländischen Staaten umsatzsteuerlich registrieren muss. Mit der Folge, in den ausländischen Staaten Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Jahreserklärungen abgeben und entsprechende Zahlun­gen leisten zu müssen. Abhängig vom jeweiligen EU-Land greifen die dortigen steuerlichen Registrierungspflichten, wenn pro Land bestimmte Lieferumfänge überschritten wer­den (Lieferschwelle). Aktuell liegen die Grenzwerte – abhän­gig vom jeweiligen Land – in etwa zwischen 26.000 EUR und 100.000 EUR. Wichtig ist, dass die beschriebene Regel nur für Versendungslieferungen und durch den Händler ausge­führte Beförderungslieferungen greift. Letzteres heißt, dass der Händler die Ware selbst zum Kunden transportiert. Versendungslieferung heißt, dass ein selbstän­dig Beauftragter (z.B. Spedition, UPS, DHL etc.) die Ware im Auftrag des Händlers zum Kunden bringt, auch wenn der Kunde hierfür letztendlich die Kosten übernimmt.

Darüber hinaus ist besondere Vorsicht geboten, wenn Waren (z.B. regelbesteuerte Gebrauchtfahrzeuge, die keine Neu­fahrzeuge im umsatzsteuerlichen Sinne sind) an bestimmte Abnehmer selbst befördert oder auf Rechnung des Händlers versendet werden – auch hier unabhängig davon, ob das Geschäft online oder offline angebahnt wurde. In diesen Fällen gibt es zusätzlich zur Lieferschwelle in jedem EU-Land noch eine sogenannte Erwerbsschwelle, die mit in der Regel ca. 10.000 EUR deutlich unter den Lieferschwellen-Grenzwerten liegt und somit erheblich schneller überschritten sein kann. Glücklicherweise ist davon nur ein relativ kleiner Abnehmerkreis betroffen. Vorsicht und Rücksprache mit dem steuerlichen Berater ist daher insbesondere geboten, wenn es sich bei dem Kunden um eine Behörde, Krankenanstalt, Kammer oder um einen Landwirt, (Zahn-)Arzt, Verband, Ver­ein, Kleinunternehmer oder einen anderen „Exoten“ handelt.

Denn wird für den vorgenannten Erwerberkreis eine Liefer- oder Erwerbsschwelle überschritten, muss die jeweilige ausländische Umsatzsteuer mit dem entsprechenden aus­ländischen Steuersatz in der Rechnung aufgeführt und auch an den ausländischen Fiskus abgeführt werden.

 

Beispiel

Ein deutscher Unternehmer darf an Privatkunden (oder den obengenannten Personenkreis „Exoten“) in Österreich Wa­ren im Wert von insgesamt bis Euro 35.000,00 im Kalender­jahr liefern und mit deutscher Umsatzsteuer abrechnen. Überschreitet er aber die Lieferschwelle z.B. am 01.06., so hat sich der deutsche Unternehmer in Österreich umsatz­steuerlich zu registrieren und seinen Umsatz ab dem 01.06. mit österreichischer Umsatzsteuer (20 %) abzurechnen. Da­rüber hinaus muss er in Österreich eine Umsatzsteuererklä­rung abgeben und die öster­reichische Umsatzsteuer abfüh­ren.

 

Maßgebende Liefer- und Erwerbsschwellen für ausgewählte Länder

                        Lieferschwellen                    Erwerbsschwellen

Belgien              35.000 Euro                       11.200 Euro

Frankreich          35.000 Euro                       10.000 Euro

Italien                35.000 Euro                       10.000 Euro

Luxemburg       100.000 Euro                      10.000 Euro

Niederlande       100.000 Euro                      10.000 Euro

Österreich          35.000 Euro                       11.000 Euro

Polen                160.000 PLN                         50.000 PLN

Tschechien     1.140.000 CZK                      326.000 CZK

 

Mit einem gut aufgebauten Onlinehandel kann erhebliches Ertragspotential geschöpft werden. Die steuerlichen Risiken sowie die Anforderungen an IT und Rechnungswesen dürfen jedoch nicht unterschätzt werden. Eine enge Abstim­mung mit dem steuerlichen Berater ist unumgänglich, nicht dass auf einmal die böse Überraschung in Form z.B. einer Steuer­hinterziehung droht.

 

Stan Guthmann
 Steuerberater

 

Kurzfassung:

1. Bei einem Versandhandel an EU-Kunden ohne UStIDNr. ist höchste Vorsicht geboten, da die jeweiligen Lieferschwel­len der jeweiligen EU-Länder überwacht werden müssen.

2. Werden die Lieferschwellen überschritten hat das die Pflicht zur steuerlichen Registrierung im jeweiligen EU-Aus­land zur Konsequenz.

3. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der ausländische Staat die Überschreitung der Lieferschwellen nicht kontrol­liert.

 

 Kommentar:

Ein Klick und schon ist ein Kauf im Internet getätigt. Dabei verschwinden auch vermeintlich die Ländergrenzen. Was so einfach klingt, kann aber erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. So kann es passieren, dass sich der deutsche Unternehmer im EU-Ausland steuerlich registrieren und ausländische Umsatzsteuer zahlen muss, wenn die Liefer­schwellen bei Verkäufen an ausländische Privatpersonen überschritten werden. Dabei ist zu beachten, dass die Pflicht zur Abführung der ausländischen Umsatzsteuer mit dem Umsatz eintritt, mit dem die Lieferschwelle überschritten wird. Sollte jedoch die Liefer­schwelle in dem jeweiligen EU-Land im Vorjahr bereits überschritten worden sein, ist im Fol­gejahr bereits ab dem ersten Euro Umsatz die entspre­chende ausländische Umsatzsteuer abzuführen. Und lösen Sie sich von dem Irrglauben, dass die ausländischen Behörden dies nicht kontrollieren würden. Exemplarisch sei nur darauf hingewiesen, dass das österreichische Umsatzsteuerrecht der österreichischen Finanzverwaltung die Möglichkeit gibt, den Postdienstleister zu befragen, welcher ausländische Unternehmer an österreichische Abnehmer Waren geliefert hat. Auch in anderen EU-Ländern ist in der Praxis zunehmend die Schaffung von Kontrollmöglichkeiten für die jeweiligen Finanzverwaltungen zu beobachten.

 

Maximilian Appelt
  Rechtsanwalt
  Steuerberater

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